St.Bartholomäus-Kirche

Die Sankt Bartholomäus-Kirche in Wesselburen ist ohne Zweifel ein außergewöhnlicher und bedeutender Kirchenbau. Der achteckige Zwiebelturm, einzigartig in Norddeutschland, bekrönt das Wahrzeichen Wesselburens. Nach dem großen Brand von 1736 wurde sie in der jetzigen Form wieder aufgebaut.
Daran erinnert der Spruch an der Decke:
Mich hatte Gottes Wut durch Feuers Brunst verbrannt
Jetzt werd ich aufgebaut, doch wie?
Von Gottes Hand
Du hältst Deine Hand über mir.
Das hohe Gewölbe wird durch Säulen und Emporen abgegrenzt. Die spätbarocke Ausstattung der Kirche ist von seltener Einheitlichkeit.
Der schmale und hohe Altar ist eine Nachbildung des einstigen Federhagen-Altars der Lübecker Marienkirche.
Dieser Wesselburener Altar wurde nun wiederum zum Vorbild für so manchen Altar in Dithmarschen.
Direkt über dem Altartisch, in Augenhöhe des Betrachters, zeigt ein Relief die Abendmahlsszene. Darüber sieht man im zentralen Mittelfeld den Gekreuzigten Jesus mit seiner Mutter Maria und dem Jünger Johannes. Flankiert wird diese Gruppe von den symbolischen Darstellungen zweier christlicher Tugenden:
- links die Liebe mit dem Herz, dem Kelch und der Bibel
- rechts die Hoffnung mit dem Kreuz und dem Anker.
Über der Kreuzigungsgruppe sieht man eine Darstellung von Christus als den Auferstandenen mit der Siegerfahne in der Hand. Gekrönt wird alles von einem Engel, der mit der Posaune die Wiederkunft Jesu ankündigt.
Der Wesselburener Tischler und Bildhauer Albert Hinrich Burmeister schuf für seine Heimatkirche diese prächtige Kanzel. Sie thront erkerartig an der Südostecke des Chorbogens. Getragen wird sie von den Figuren des Mose und Johannes des Täufers.
Mose hält die Tafeln mit den 10 Geboten in seinen Händen und Johannes weist mit dem ausgestreckten Finger seiner rechten Hand nach unten, wo zu seinen Füßen ein Lamm liegt. Ein Hinweis auf Christus. Die kleinen Figuren entlang der Kanzelwandung stellen dar: Christus als Weltenrichter, die vier Evangelisten und die großen Propheten.
Viele Einzelheiten geben dem Betrachter Stoff zum Nachdenken. Wie vielfach in der barocken Kunst, zeigen die teilweise grimmig aussehenden Tiere neben den Füßen der Propheten, dass durch die Verkündigung der frohen Botschaft der Sieg über alles was Angst macht ausgerufen wird.
Die Taube im Kanzeldeckel ist ein Symbol für den heiligen Geist – eine unabdingbare Voraussetzung für jede christliche Predigt.
Auf dem Kanzeldeckel steht Christus als der Auferstandene mit der Siegesfahne in der Hand. Darüber sieht man einen Pelikan, der sich mit dem Schnabel die Brust aufschlägt, um mit seinem Blut die Jungen zu speisen. Er gibt sein Leben hin damit sie das Leben haben. So wird er zum Symbol für Jesus Christus.
Zwei spätgotische Holzfiguren von einem Brüggemann nahe stehenden anonymen Meister, Maria und Johannes, der „Lieblingsjünger“ Jesu, haben den großen Brand von 1736 in besonderer Weise überstanden: Bei einem Umbau des Chores vor dem Brand wurden die Figuren aus dem Kirchenschiff entfernt und auf dem Pastoratsboden gelagert. Erst später wurden sie in die wiederaufgebaute Kirche zurückgebracht. Sie sind für unsere heutige Zeit ein besonders schönes Erbe.
Ein ausgesprochen wertvolles Stück ist die schwere, leider zum Teil ihres figürlichen Schmuckes beraubte, romanische Sandsteintaufe aus dem 12. Jahrhundert. Auf einem breiten Sockel ruht die weit ausladende runde Kuppa. An den Schrägen ist sie mit reichen Skulpturen behauen.
Die vier Gestalten mit dem Fisch und einer Buchrolle in den Händen sind als die vier Paradiesflüsse zu deuten. Nach der Schöpfungsgeschichte aus dem des 1. Buch Mose bewässerten sie die ganze Welt. Im Mittelalter stand dieser Paradiesquell in enger Beziehung zum Wunder der Taufe mit den Elementen des Wassers und des Geistes.
Das neuere Taufbecken stiftete 1728 Paul Bojens aus Norddeich.
Nach dem großen Brand fand man nur noch den oberen Teil im Schutt; für das Untergestell wurde nun statt des zerborstenen schwarzen Marmors Holz verwendet. Im Taufdeckel befindet sich – wie auch im Kanzeldeckel – die Taube als Hinweis auf den Heiligen Geist.
Für die gegenwärtige Zeit ungewöhnliche Sitzplätze gibt es in der Wesselburener Kirche:
Der „blaue Stuhl“ ist für den Herzog Carl-Friedrich von Gottorf gebaut und nur einziges Mal von ihm bei der Einweihung der Kirche benutzt worden.
Die Sitzplätze im „roten Stuhl“ wurden an 4 begüterte Familien aus der Umgebung verkauft, um den Bau der Kirche mitzufinanzieren.
1741 baute Johann Hinrich Klapmeyer, Orgelbauer aus Glückstadt und Schüler des damals überragenden Orgelbauers Arp Schnitger, in der 1738 fertiggestellten St. Bartholomäus-Kirche eine Orgel.
Von diesem Instrument waren leider nur noch der Propekt , wenige Pfeifen und die alten Baupläne erhalten.
Nach diesen Unterlagen rekonstruierte der Orgelbaumeister Rowan West das alte Instrument in sorgfältiger Handarbeit. Seit Ostern 2011 erklingt es wieder mit seinen 32 Registern und 2300 Pfeifen.
Mit ihrer rekonstruierten Klapmeyerorgel besitzt St. Bartholomäus ein klanglich außerordentliches, von der Fachwelt hochgelobtes Instrument.
Selten erlebt man eine so gelungene Symbiose von barockem Raum und barocker Orgel wie in St. Bartholomäus!